Pfarrbrief Mai 2020
Unsere aktuellen Veranstaltungen finden Sie im Pfarrbrief.

Gottesdienste

Ostergruß

Jetzt ist die Zeit der Achtsamkeit und der Großzügigkeit

Einmal im Monat schicke ich von Mainz aus für den öffentlich-rechtlichen Radiosender in Zagreb, Hrvatski radio, ein geistliches Wort. Diese fünfminütige Radiosendung ist vergleichbar mit der Morgenandacht des Deutschlandfunks. Am ersten Fastensonntag war ich wieder einmal an der Reihe, meinen Beitrag zu verfassen.
Dieser Tage, an denen man gezwungenermaßen mehr Zeit hat, habe ich diesen Text noch einmal gelesen. Überrascht war ich, wie doch die Gedanken – auch in diesen Corona-Zeiten – weiterhin aktuell sind. Hier eine auszugsweise Zusammenfassung meiner Gedanken:

Der Beginn der Fastenzeit steht im Vorzeichen des Verzichts, was uns keinesfalls nur seitens der Kirche vermittelt wird. „Weniger von diesem, weniger von jenem“ – so schallt es allenthalben. Fast bekommt man den Eindruck, das gesamte Leben sei jetzt auf Entbehrungen programmiert. Ich tue mich schwer mit diesem Gedanken, denn hier fehlt die Perspektive des Neuen. Was meine ich damit?
Meines Erachtens nach darf man die vorösterliche Zeit keinesfalls nur auf den Verzicht reduzieren. Dabei geriete nämlich eine andere, dem Christentum wesentliche Eigenschaft, in Vergessenheit, nämlich der Blick auf den anderen, auf unsere Nächsten.
Im Evangelium vom Aschermittwoch heißt es schon im ersten Satz: „Danach trieb der Geist Jesus in die Wüste.“ Es ist der Geist Gottes, der Jesus in die Wüste führt. Keine boshafte Macht, vielmehr der Geist Gottes. Interessant! Die Erfahrung der Wüste und auch der Leere, sind demnach keine Bestrafungen, sondern Zeichen, ja können Geschenke und zugleich wesentliche Bestandteile und Herausforderungen unseres Lebens sein.
Um diese Erfahrung der Wüste bzw. der Fastenzeit kreativ gestalten und auch bestehen zu können, scheint es mir wichtig, dafür bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen. Unsere Haltung, mit der wir uns auf diesen Weg machen, ist ausschlaggebend dafür, wie wir letztendlich am Ende der, noch unbekannten Reise, aussehen werden.
Es sind zwei Prämissen, die mir von herausragender Bedeutung erscheinen: einerseits die Achtsamkeit und andererseits die Großzügigkeit. Also keinesfalls nur Flucht und Verzicht sollen die Ansage für die bevorstehende Zeit sein. Warum sind Achtsamkeit und Großzügigkeit wichtige, gar entscheidende Mitreisende auf dem Weg zum Osterfest und zur Auferstehung? Die Achtsamkeit gehört zu den Tugenden der Zukunft. Wie das Wort schon sagt, sie achtet, und sie ist aufmerksam. Darüber hinaus ist sie unaufdringlich und auf das Wesentliche fokussiert. Die Achtsamkeit ist eine leise Wirklichkeit, sie verleiht dem, an den sie gerichtet ist, neue Kraft, neue Würde. Sie hat ein bestimmtes Ziel vor Augen und ist gleichzeitig rücksichtsvoll. Eine solche Achtsamkeit ist nicht nur Tat, sondern ihrem Wesen nach eine Haltung – eine wache, umsichtige Haltung. Eine so gestaltete Achtsamkeit ist eine wache, milde und nicht weniger entschlossene Suchende. Ja, sie sucht die Stille, auch die Leere und schafft in unserem Inneren Freiräume. Diese Freiräume befähigen uns zum Hören der Stimme unserer Nächsten und ebenso zum Aufhorchen der Gegenwart Gottes.
Zweitens: die Großzügigkeit, die ich hier meine, ist ähnlich kreativ, unvorhersehbar. Auch sie ist eine innere, jedoch keineswegs nur an den Nächsten gerichtete Haltung, sondern vielmehr eine Haltung gegenüber dem Leben als solchem. Sie ist auch kein Lebensstil, der bestimmt, was man sich selbst (insbesondere in materieller Hinsicht) und auch den anderen gönnen kann oder darf. Denn die Großzügigkeit steht nicht zwischen den beiden Kontrapunkten, Geiz und Verschwendung. Nein. Sie ist noch vieles mehr. Die Großzügigkeit, die von dem gelebten Glauben durchdrungen ist, kümmert sich nicht um oberflächliche oder sonstige, wie auch immer geartete Defizite der Mitmenschen. Die Großzügigkeit richtet ihren Blick auf den Menschen als solchen. Sie ist intelligente Empathie, also verstandsgeleitetes und verständnisvoll gelebtes Mitgefühl. Als solche besitzt sie die praktische Fähigkeit, sich in die Situation des jeweils anderen hinzuversetzen. Deshalb sind großzügige Menschen in der Regel kreative Menschen, angenehme Gesprächspartner und umsichtige Mitreisende. Sie kalkulieren nicht, sind nicht engstirnig. Sie sind freigebig und erwarten keine Gegengaben. Sie sind reich in jeglicher Hinsicht, denn sie sind verschwenderisch, mithin großzügig. Machen wir uns in den verbleibenden Tagen der Fastenzeit auf den Weg der Verschwendung, der großzügigen Achtsamkeit – einer Aufmerksamkeit, die nicht korrigiert, sondern Neues aufbaut, die frei ist, weil sie großzügig und achtsam ist!

Ja, in der aktuellen Corona-Krise, werden wir tagtäglich Zeugen dessen. Nach außen zeigen sich das Beste und das Schlechteste der Menschen. Immer wieder treten auch überraschende Züge unserer Mitmenschen zutage. So ratlos und machtlos sind wir doch gar nicht. Jeder und jede von uns kann sich selbst und seine Mitmenschen durch solidarische Achtsamkeit und unaufdringliche Großzügigkeit überraschen und beschenken. Und dazu ist gar nicht viel nötig!

Frano Prcela OP

 

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Fastenpredigten 2020

Pfarrbrief März 2020

Herzliche Einladung zum Thomasfest

Herzliche Einladung zum Albertusfest

Goldenes Professjubiläum von P. Walter Senner OP

Um sein goldenes Professjubiläum zu feiern, hat P. Walter Senner am 29. September nach Mainz geladen. Gut 60 Gäste aus nah und fern sind dieser Einladung gefolgt um gemeinsam mit dem Jubilar in St. Bonifaz Mainz zu feiern. Auch der Provinzial P. Peter Kreutzwald ist dieser Einladung gefolgt und ging in seiner Begrüßung auf P. Walters Beharrlichkeit ein, die es wohl auch braucht, um 50 Jahre treu im Dienst der Nachfolge zu stehen. Exemplarisch machte er dies an P. Walters Tätigkeit als Studentenseelsorger in Berlin fest. Während einer Zeit des ständigen Wechsels in der Berliner Studierendengemeinde, blieb P. Walter acht Jahre vor Ort und prägte so eine lange Zeit in Berlin.

Auch P. Frano als Prior des Mainzer Konventes griff diese Beharrlichkeit in seinem Grußwort auf. Er zitierte dabei aus den Laudationen anlässlich der Verleihung des Magisters in Sacra Theologiae. Dort hieß es unter anderem: „Der akribische Forscher hat wohl nie eine Karriere verfolgt, sondern sich in die verschiedenen ihm übertragenen Aufgaben ́hineingekniet ́.“ Und weiter: „Besonderes Anliegen des ́bekennenden Observanten ́ ist die Spiritualität.“ Diese Beharrlichkeit wünschte P. Frano im Namen der Mitbrüder dem Jubilar. Er sollte Sie vor allem mit Blick auf die Entschleunigung im Alter nutzen, damit noch viele Jahre und weitere Jubiläen folgen können.

Auch in der Festpredigt, die P. Walter selbst hielt, tauchte das Motiv der Beharrlichkeit auf. Schließlich seien 50 Jahre Ordensleben auch von Herausforderungen begleitet. Eben diese Herausforderungen bräuchten dann die nötige Beharrlichkeit in der Nachfolge. Zugleich begleite ihn eine große Dankbarkeit immer wieder Gottes Begleitung und Schutz zu erleben, wenn das Leben wieder einmal mit Überraschungen und neuen Herausforderungen aufwartet. So schloss P. Walter seine Festpredigt mit folgender Überzeugung: „Gelassenheit ist nicht ein das Leben leicht nehmen, sie erwächst aus dem Bewußtsein, daß Gottes Liebe mich trägt, mir Hoffnung und Glaube gibt für Zeit und Ewigkeit.“

Christoph T. Brandt OP

 

mainzer orgel komplet
mainzer orgel komplet
Junge Künstler an der Orgel
in St. Bonifaz 2019

 

Musikgenuss und Meditation
Musikgenuss und Meditation

 

Herzliche Einladung zum Katharinenfest

Montag, 29. April 2019, um 18 Uhr

 

 

NEUER PRIOR IN MAINZ



HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH
P. FRANO

 

 




    • BESUCHSDIENST ST. BONIFAZ

    • Aus Kloster, Pfarrei und Studentat
    • Aktuelles aus dem Kloster
      --> P. FRANO PRCELA OP IST NEUER PRIOR IN MAINZ Die Brüder des Mainzer Dominikanerkonventes haben P. Frano Prcela OP zu Ihrem neuen Prior gewählt. Am heutigen Freitag hat P. Frano die Wahl angenommen. Damit ist er für die kommenden drei Jahre der gewählte Obere der Kommunität. Wir wünschen Ihm für sein Wirken Gottes reichen Segen.