Studentat der Dominikanerprovinz Teutonia - Berichte 2011

zu den Beiträgen aus den Jahren: 2016 - 2015 - 2014 - 2013 - 2012 - 2010

02. - 04.12.2011 Formationswochenende: Nachhaltiger Konsum

Vom 2. bis 4. Dezember 2011 fuhren wir ins Braunschweiger Las Casas – Haus zu einem Formationswochenende mit dem Thema „Nachhaltiger Konsum“. Als Referenten hatten wir geladen: Vertreter der KonsuMensch Gruppe Baunschweig, Frau Franziska Dickschen vom Braunschweig Kaffee und Dr. Helge Wulsdorf von der Bank für Kirche und Caritas.

Am ersten Tag unseres Aufenthalts in Braunschweig führten uns Studentinnen von der KonsuMensch Gruppe Braunschweig durch die Innenstadt, um uns zum Beispiel zu zeigen, welche Wege eine Jeans von der Baumwollernte bis zum Konsumenten zurücklegt. Am späteren Nachmittag stellte uns Frau Franziska Dickschen das Projekt Braunschweig Kaffe, einen fair gehandelten Stadtkaffe, der den Kaffeebauern einen gerechten Lohn für ihre Arbeit garantiert, vor. Zum Tagesschluss sahen wir den Film We feed the world, der die Lebensmittelproduktion und ihre Auswirkung auf die Umwelt zum Thema hat.

Am zweiten Tag hielt Dr. Wulsdorf einen Vortrag über nachhaltigen Konsum. Er zeigte uns auf, wie wichtig für unsere Gesellschaft die Nachhaltigkeit ist, und dass sie wirklich einen immer bedeutsameren Platz im Leben bekommt. Zum Vortragsschluss machten wir uns Gedanken darüber, wie wir persönlich dazu beitragen können, um die Gesellschaft nachhaltiger zu gestalten.

08.10.2011 Diakonenweihe

Unsere Mitbrüder fr. Peter Henrich, fr. Ralf Sagner und fr. Frank Ewerszumrode wurden heute in unserer Klosterkirche Hl. Kreuz zu Köln von Weihbischof Stefan Zekorn zu Diakonen geweiht.

Allen dreien wünschen wir Gottes Segen für ihren Dienst!

29.07.-07.08.2011 Auf dominikanischen Spuren unterwegs in Italien - Studienwallfahrt des Studentats

Italien gehört neben Spanien als Geburtsland unseres Ordensgründers und Frankreich als Wiege des Ordens zu den Ländern, in denen die Predigerbrüder von Anfang an Fuß gefasst und sich ausgebreitet haben. Große Namen wie Thomas von Aquin, Katharina von Siena, Johannes von Fiesole (Fra Angelico) und viele andere gehören fest zur italienischen Ordensgeschichte. Einigen von ihnen sind wir 9 Tage lang gefolgt.

Erste Station unserer Pilgerreise war Rom. Von unserer Unterkunft aus, der Päpstlichen Universität des Hl. Thomas von Aquin (Angelicum), begannen wir jeden Tag den Besuch (nicht nur) dominikanischer Stätten: Santa Maria Sopra Minerva (mit den Gräbern von Katharina von Siena und Fra Angelico) und Santa Maria Maggiore (mit einem ausgiebigen kulinarischen Einblick), dem Vatikan mit Campo Santo Teutonico, den Vatikanischen Gärten, einer Hl. Messe am Petrusgrab im Petersdom sowie der Kongregation für die Ostkirchen, wo unser Mitbruder P. Max Cappabianca tätig ist. Ebenso standen San Clemente, der Standort unserer irischen Mitbrüder sowie unsere Ordenskurie Santa Sabina auf dem Aventin, wo wir von P. David Kammler als Promotor für die dominikanischen Laien über sein weltweites Arbeitsfeld informiert wurden, auf dem Programm.

In Mietwagen ging es dann weiter über Siena, dem Geburtsort der Hl. Katharina, nach Florenz, wo wir von unseren Mitschwestern herzlich aufgenommen wurden. Die letzte Station unserer Pilgerreise bildete Bologna. Dort ist das Studentat der italienischen Provinzen untergebracht. Genau am 790. Todestag des Hl. Dominikus, dem 6. August, feierten wir an seinem Grab eine bewegende Hl. Messe, bevor wir tags darauf mit vielen, teils tiefen Eindrücken nach Mainz zurückkehrten.

Geistlich begleitet wurden die Tage durch Fra Angelico, der uns täglich mit seinen Fresken, die wir auch im Original in Florenz bewundern durften, inspirierte, die uns P. Peter, unser Studentenmagister, in morgendlichen Bildmeditationen näher brachte. Auch ein Studienanteil gehört zu einer solchen Wallfahrt. In kurzen Referaten führten wir Brüder uns gegenseitig in die dominikanischen Stätten auf unserer Reise ein.

Es ist gut und interessant, an historischen Stätten den Spuren unseres Ordens zu folgen - doch wären all diese Stätten nichts als Sehenswürdigkeiten, schöne Erinnerungen an längst Vergangenes, wenn da nicht die lebendige Tradition des Ordens über fast 800 Jahre bis heute viele weitere Spuren hinterlassen hätte und noch hinterlassen wird. So war es kein großer Museumsbesuch, sondern reale dominikanische Wirklichkeit, die wir auf unserer Italienreise erleben durften.

fr. Johannes M. Schäffler OP

Drei Mitbrüder beginnen ihr Auslandsstudienjahr

Wir Dominikaner sind ein internationaler Orden, der weltweit Niederlassungen hat, um eine Botschaft zu verkünden, die von Grenzen nicht aufzuhalten ist. Deshalb gehört es in unserer Provinz zur Ausbildung eines jeden Dominikaners, für einige Zeit im Ausland zu studieren, um etwas von der Internationalität des Ordens zu erleben, sich mit anderen theologischen Ansätzen auseinanderzusetzen und neue Sprachen zu lernen oder zu vertiefen.

Für drei Fratres unseres Studentats heißt es Abschied nehmen von Mainz für zwei Semester:

fr. Gregor Naumann wird in Fribourg in der Schweiz studieren, fr. Daniel Stadtherr geht nach Toulouse und fr. Johannes Matthias Schäffler wird sein Auslandsjahr in Rom verbringen.

Juni 2011 "Die Wende im Leben" - Auf dem Weg ins Priesteramt

Unter diesem Titel sendete der ZDF-Infokanal mehrmals im Juni 2011 einen halbstündigen Beitrag zu Priesterberufungen. Unser Mitbruder fr. Ralf Sagner OP berichtet darin als einer von vier Männern, die sich auf das Priesteramt vorbereiten, über seinen Berufungsweg.

Der Beitrag ist in der ZDF-Mediathek weiterhin abrufbar über diesen Link.

08.06.2011 Beauftragung mit dem Lektorat und Akolythat

Unser Provinzial P. Johannes Bunnenberg OP beauftragte im Rahmen der Eucharistiefeier unseren Mitbruder fr. Tobias Rafael Schrörs OP mit den Diensten eines Lektors und Akolythen. Mit diesen wichtigen Aufgaben übernimmt fr. Tobias nicht nur in der Liturgie mehr Verantwortung, sondern wird näher herangeführt an zentrale Punkte unseres Lebens als Predigerbrüder: Die Verkündigung des Wortes und die Feier der Eucharistie.

Wir wünschen fr. Tobias dafür Gottes reichen Segen und viel Freude in der Ausübung dieser Dienste!

04.06.2011 Feierliche Profess von fr. Ralf Sagner OP
und fr. Frank Ewerszumrode OP

  

Weitere Bilder und einen kurzen Bericht finden Sie hier.
Fotos von fr. Adam Rokosz OP

13.-15.05.2011 Formationswochenende zu Thomas von Aquin
bei den Arenberger Dominikanerinnen

Beim ersten diesjährigen Formationswochenende des Studentats stand der große Dominikaner und Universalgelehrte des 13. Jahrhunderts, Thomas von Aquin, im Zentrum unserer Ausbildungseinheit. Als kompetenten Fachmann konnten wir dafür Prof. Dr. Berthold Wald gewinnen, Inhaber des Lehrstuhls für Systematische Philosophie an der Theologischen Fakultät Paderborn. In drei Fragenkreisen näherten wir uns anhand von Ausschnitten des umfänglichen thomasischen Werkes dem Denken unseres berühmten Mitbruders:
   - Wirken Gottes und Eigenwirksamkeit der Dinge
   - Wahrheit der Dinge - Wahrheit der Erkenntnis
   - Moralität und Gewissensbindung

Prof. Wald verstand es, kenntnisreich und leidenschaftlich die Texte zu analysieren und in aktuelle Bezüge zu setzen. Gleichzeitig kamen auch Diskussion und Austausch nicht zu kurz und machten Appetit, uns weiter und intensiver mit Thomas von Aquin auseinanderzusetzen. An Schriftwerk aus seiner Feder oder der seiner Schreiber mangelt es wahrlich nicht.

Neben den thematischen Einheiten am Freitag/Samstag und dem Studentatskapitel am Sonntag, in dem aktuell anstehende Themen besprochen und diesmal auch die Ämter des Studentatsdekans, des Chronicarius' sowie des Protokollanten neu besetzt wurden, kam natürlich auch die Begegnung mit unseren Mitschwestern vom Arenberg nicht zu kurz - beim gemeinsamen Beten und Singen ebenso wie bei einer geselligen Runde im Noviziat.

fr. Johannes M. Schäffler OP

30.04.2011 Die dominikanische Laien-Gruppe „Giorgio La Pira“ aus Düsseldorf zu Gast im Mainzer Dominikanerkonvent

Bereits auf dem Tag der Dominikanischen Familie 2010 hatten sich Kontakt und Idee ergeben: Warum nicht einmal den Studentatskonvent der Dominikaner-Provinz Teutonia in Mainz besuchen? So trafen vier Laien und fünf Fratres am 30. April im Mainzer Konvent zusammen, um einen gemeinsamen Studientag zu verbringen, hl. Messe zu feiern und einander näher kennen zu lernen. Unter dem Thema „Ausbildung in der Dominikanischen Familie“ diskutierten wir die Ausbildungsordnung unserer Provinz, besonders auch unter dem Aspekt, welche Inhalte für die Gruppenarbeit der Laien und die Neuordnung ihrer Noviziatsstatute unmittelbar von Interesse sein könnten. Schnell kamen wir auf das gemeinsame Thema heutiger Verkündigung in verschiedenen Lebenswelten und säkularen Räumen zu sprechen. Familie, Freundeskreis und Arbeitsplatz, in denen Laien noch einmal anders stehen als Brüder – gerade während ihrer Studienzeit – bieten viel Gelegenheit, um mit Menschen auf ihrer Gottsuche ins Gespräch zu kommen. So hat Verkündigung viele Dimensionen und beginnt gerade im Alltag. Weitere mögliche Begegnungen wie auf der kommenden Provinzstudientagung der Dominikanischen Familie oder dem Kirchentag 2012 in Mannheim sind ins Auge gefasst.

fr. Dennis Halft OP

Link zur La Pira-Gruppe: http://www.la-pira.de

28.03.2011 Neuer Mitbruder in Mainz: fr. Tobias Rafael Schrörs

Die Mainzer Kommunität freut sich besonders über unseren neuen Mitbruder fr. Tobias Rafael Schrörs OP. Nachdem er am vergangenen Samstag in unserem Noviziatshaus in Worms seine einfache Profess abgelegt und sich damit für drei Jahre an den Orden gebunden hat, ist er heute ins Studienhaus nach Mainz gezogen. Hier wird er im Sommersemester sein Theologie-Studium an der Johannes-Gutenberg-Universität beginnen.

Wir heißen fr. Tobias ganz herzlich willkommen und wünschen ihm, dass er sich schnell und gut in Mainz, im Konvent und in der Pfarrei einlebt!

17.-19.03.2011 Besuch unseres Ordensmeisters

Zu einem Kurzbesuch in unserer Provinz hatte sich der im September 2010 neu gewählte Ordensmeister fr. Bruno Cadorét OP angekündigt. Zusammen mit dem Socius für Zentral- und Osteuropa fr. Wojciech Delik OP besuchte er auch das Studienhaus in Mainz.

Auch für uns Studenten nahm sich der Ordensmeister einen Abend Zeit, um mit uns über seine und unsere Visionen eines Lebens als Predigerbruder ins Gespräch zu kommen. Gerne und dankbar schauen wir auf diese kurze Visite zurück.

03.-07.03.2011 Besuch des slowakischen Studentats in Mainz

Wer in den Predigerorden eintritt, hat nicht nur Mitbrüder im eigenen Land, sondern auf der ganzen Welt. Dominikaner gibt es in fast allen Ländern der Welt, so auch in der Slowakei. Nachdem die ersten Kontakte mit zwei Brüdern aus der slowakischen Provinz letztes Jahr im September auf der Europäischen Studienwoche in Dubrovnik (Kroatien) geknüpft worden waren, besuchten uns Anfang März sieben Mitbrüder des slowakischen Studentates in Mainz.

Neben dem gemeinsamen Gebet, der Feier der Eucharistie und dem Austausch in Gesprächen und Rekreationen standen einige Ausflüge auf dem Programm, um den Gästen Mainz und einige Orte der Umgebung zu zeigen. Die erste Station bildete am Freitag Mainz selbst. Bei eiskalten Temperaturen, aber einem strahlend blauen Himmel schauten wir uns den Dom und die Stadt an. Am Samstag fuhren wir ins (fast) fastnachstfreie Heidelberg. Ein sehr guter Stadtführer, der mit vielen amüsanten Anekdoten seine Führung auflockerte, ließ uns Heidelberg und einige Aspekte seiner reichen Geschichte entdecken. Zur Stärkung kehrten wir in ein Schnitzelrestaurent ein.

Am Sonntag fuhren wir nach Worms, wo sich das Noviziat unserer Provinz befindet. Dort feierten wir zunächst gemeinsam die sonntägliche Eucharistie. Am Nachmittag führte uns P. Philipp J. Wagner durch Worms und zeigte uns die Synagoge, das Lutherdenkmal und den Dom. Nach der feierlichen Vesper ließen wir den Abend gemütlich mit einer Rekreation im Kreuzgang des Wormser Konventes ausklingen.

Am Rosenmontag hieß es dann Abschied nehmen. Wir begleiteten unsere Gäste zum Frankfurter Flughafen, um sie herzlich zu verabschieden.

Wir sind sehr dankbar für die Begegnung mit unseren slowakischen Mitbrüdern und hoffen, diese Verbindung fortzusetzen.

fr. Frank Ewerszumrode OP

Link zum Studentat der slowakischen Provinz

05.03.2011 Verlängerung der Professversprechen

Unsere Mitbrüder fr. Ralf Sagner, fr. Uwe Augustinus Vielhaber und fr. Frank Ewerszumrode haben heute im Rahmen einer Hl. Messe in unserer Hauskapelle ihre Professversprechen erneuert und sich damit für ein weiteres Jahr an den Orden der Predigerbrüder gebunden. Dass sie sich damit wirklich für einen internationalen Orden entscheiden, wurde unterstrichen durch die sieben slowakischen Mitbrüder aus dem dortigen Studentat, die unser Studienhaus für einige Tage besuchen.

Allen dreien wünschen wir Gottes Segen für ihren weiteren Weg in unserem Orden!

20.-24.02.2011 Studentatswerkwoche in Wien

Die Studenten der Dominikanerprovinz Teutonia und das Studentat der süddeutsch-österreichischen Dominikanerprovinz trafen sich in der letzten Februarwoche 2011 zur traditionellen gemeinsamen Studienwoche, die diesmal im Wiener Konvent stattfand.

Das Thema in diesem Jahr war „Mystik – Erdung des Ordensmannes“. Diese zunächst paradox anmutende Thematik wurde in drei Abschnitten aus zwei Perspektiven betrachtet.

Zunächst bot Frau Prof. Marianne Schlosser, Professorin für die Theologie der Spiritualität an der Universität Wien, eine historisch-systematische Sicht auf die Mystik. Der Begriff stammt vom griechischen Wort Mysterion, Geheimnis. Das Christentum bietet als Offenbarungsreligion einen Ort für Mystik, die die Erfahrung der lebendigen Gegenwart Gottes ist. Christsein ist die Lebensgemeinschaft mit dem menschgewordenen Gott Jesus Christus im Heiligen Geist zur Ehre Gottes des Vaters. Und Mystik ist die mehr oder weniger intensive Erfahrung dieser Lebensgemeinschaft. Damit ist der Begriff „Mystik“ relativ weit umrissen. Die biblischen Zeugnisse bieten zwei konkrete Realisierungen von Mystik. Einerseits ist das die Haltung des Apostels Paulus, der sein „Leben in Christus“ als Geheimnis bezeichnete. Andererseits bezeichnet der Evangelist des Johannesevangeliums die Erkenntnis Christi als Geheimnis. Die mystische Erfahrung ist damit eine intensiv religiöse Erfahrung, die spontan geschenkt wird und in der Regel etwas Unsagbares beinhaltet und als Wahrheit empfunden wird. Die sprachliche Fassung und Deutung des Erlebten ist meist nicht so ohne weiteres möglich. Insofern ist eine mystische Erfahrung die Erfahrung Gottes, die den Mystiker zu einem Zeugen Gottes und seinem Handeln am Menschen macht.

In zwei weiteren Abschnitten wurde die pastoraltheologische Sichtachse auf das Thema Mystik beleuchtet. Frau Prof. Regina Polak, Assistenzprofessorin am Institut für Praktische Theologie der Universität Wien, bot einen Blick auf Facetten heutiger Spiritualität und Mystik anhand empirischer Untersuchungen. Dabei wurde deutlich, dass sich die postmoderne Spiritualität weitgehend von Religion abgekoppelt hat und so überwiegend esoterisch geworden ist. Sie stützte sich dabei auf die Erkenntnisse der Ethnologin Ariane Martin. Demzufolge suchen die heutigen Menschen ihre existentiellen Sehnsüchte nach dem Selbst, nach Verzauberung, nach Heilung und Gemeinschaft oder auch nach Weite aus dem vielfältigen spirituellen Angebot zu stillen. Die Kirche wird hier nur als ein Anbieter unter vielen wahrgenommen. Daraus ergeben sich Konsequenzen für das kirchliche Handeln. Einerseits muss das spirituelle kirchliche Angebot anschlussfähig für die suchenden Menschen sein. Und andererseits ist die Entkoppelung von Spiritualität und christlicher Religion durch Bildung und Aufklärung für die suchenden Menschen zu beseitigen.

Ein konkretes Beispiel hierfür stellte Sr. Dr. Melanie Wolfers SDS mit dem Wiener Projekt „IMpuls LEBEN“ (http://www.impulsleben.at) vor, das sich an junge Erwachsene richtet. Einige Übungen machten uns Dominikanerstudenten zunächst klar, dass es für Theologen durchaus schwer ist, selbst interessierten, aber vom Christentum ahnungslosen Leuten etwas von Gott, christlichem Glauben und christlicher Hoffnung zu erzählen. Die Aufgabe, weitgehend abstrakte theologische Begriffe in griffige und verständliche Sprache und Bilder verlustarm zu transformieren, ist sehr anspruchsvoll. Jedem wurde klar, was das konkret für die Verkündigung in der heutigen postmodernen Zeit bedeutet.

Das dichte Programm wurde durch einen Ausflug zu den Augustinerchorherren in Klosterneuburg, die uns die berühmten Schätze ihres Klosters zeigten, einen Konzertbesuch im Wiener Musikverein und diverse Gelegenheiten, die Wiener Kaffeehaus- und Esskultur zu studieren, aufgelockert.

fr. Ralf Sagner OP

31.01.2011 Thomasfest

Das Fest des großen Dominikaners Thomas von Aquin, des genialen Theologen und Philosophen des Hochmittelalters, nahmen wir zum Anlass, um Studierende und ihre Bekannten und Freunde nach St. Bonifaz einzuladen. Im festlichen Gottesdienst stellte uns P. Ulrich Engel OP, unser Mitbruder aus Berlin, in seiner Predigt acht Skizzen vor, die den hl. Thomas aus ganz unterschiedlichen und vielleicht auch ungewöhnlichen Perspektiven beleuchten. Die Skizzen zeigten zum einen die Bodenständigkeit und Menschlichkeit dieses Heiligen und zum anderen die enorme Weite seines Denkens, die schon mehrfach in der Geschichte in ein viel zu enges Korsett gepresst wurde. Thomas' Anliegen als Gelehrter und Lehrer war es nicht, bloßes Wissen zu vermitteln, sondern seine Studenten in eine eigenständige Weite ihres Denkens zu begleiten.

Anschließend luden wir in den Pfarrsaal zum gemütlichen Beisammensein, um miteinander bei einem kräftigen Imbiss und einem guten Schluck ins Gespräch zu kommen. Es wurde ein schöner, langer und sehr lebendiger Abend, was die Bilder eindrücklich bestätigen.

fr. Johannes Matthias Schäffler OP

Provinzstudientagung und Provinztag im Kloster Arenberg

"Tu deinem Leib etwas Gutes, damit die Seele Lust hat,
darin zu wohnen"
(Theresa von Avila)
02.-04.01.2011 Provinzstudientagung

Es ist inzwischen eine gute Tradition in unserer Provinz, dass sich die dominikanische Familie zu Jahresbeginn zu einer Provinzstudientagung trifft. In diesem Jahr versammelten wir uns bei unseren Mitschwestern im Dominikanerinnenkloster Arenberg bei Koblenz. Ganz diesem Ort angemessen, an dem nicht nur das Kloster steht, sondern lange Zeit ein Kneipp-Therapiezentrum war, das im letzten Jahrzehnt in ein großes Gästehaus mit Vitalzentrum umgebaut wurde, lautete unser Thema: "Tu deinem Leib etwas Gutes, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen." Unter vier Aspekten beleuchteten die Referentinnen und Referenten auf je ganz eigene Weise die Verbindung von Leib und Seele vor über 50 Mitgliedern der dominikanischen Familie - Laiendominikanern, Schwestern und Brüdern.

Leibhafte Freiheit

Ein philosophisch-theologischer Blick auf den Zusammenhang von Geist, Leib und Seele eröffnete die Reihe der Vorträge. Prof. Jörg Splett aus St. Georgen begann mit einer wichtigen Begriffsklärung: "Ich habe einen Körper, aber ich bin ein Leib". Dieser Leib-Begriff, verstanden als Antlitz des Ich, hebt in sich schon jedwede Trennung von Leib und Seele auf, die den Körper zur Hülle verkommen und nur die Seele als das Wesentliche hervortreten lässt. Im Leib ist die Weise unseres Daseins ganz real symbolisiert. Er ist die Außenseite unserer persönlichen Freiheit, denn wir können nicht anders als durch unseren Leib handeln.

Menschliche Freiheit äußerst sich immer in der Entscheidung für oder gegen etwas angesichts sich entgegenstehender Gründe - das gilt auch für unseren Glauben. Unsere Sprache ist dabei der wesentliche Faktor, der eine Entscheidung formuliert und damit Freiheit festlegt. Sprache ist hier Performance, nicht Information. Das Ja-Wort bei einer Eheschließung ist keine Information an den Ehepartner, sondern eine Botschaft, die meine Freiheit auf Zukunft hin in bestimmte Bahnen lenkt. Dabei beinhaltet die Sprache immer Dunkelheiten, sie steht in der Spannung von Gesagtem und Gemeintem, von Gedanke und Hintergedanke. Aber gerade diese Dunkelheiten eröffnen im Gegensatz zum sicheren Wissen die Möglichkeiten zu glauben. Unser Glaube kann nicht anders sein als risikobehaftet.

Leibhafte Freiheit heißt also nicht: Ich tue, was ich will. Sie ist immer verwiesen auf den anderen, auf das Du, dem ich mich anvertraue. Als Spitze der Freiheit formulierte Prof. Splett: "Ich stelle meine Möglichkeiten jemand anderem zur Verwirklichung zur Verfügung."

Haftung und Leiblichkeit

Der zweite Vortrag führte uns aus einer eher abstrakten Betrachtung zurück auf den Boden einer bitteren Realität, die die Kirche und uns Ordensgemeinschaften im letzten Jahr mit voller Wucht getroffen hat: Der Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in unseren Institutionen. Nach einer kurzen Einführung durch unseren Provinzial zur konkreten Situation in unserer Provinz konfrontierte uns Diplom-Pädagogin Annette Haardt-Becker, die seit 20 Jahren in diesem Bereich arbeitet, mit den erschütternden Fakten der Kriminalstatistik für das Jahr 2009. Nur ein paar wenige Daten seien hier genannt: Es gab in Deutschland 14.000 angezeigte Fälle von sexuellem Missbrauch (Randnotiz: Missbrauch ist kein anzeigepflichtiges Verbrechen!), aber man geht von einer Dunkelziffer mit Faktor 5 bis 12 aus (in Zahlen: 70.000 bis 168.000). Demnach ist jedes 4./5. Mädchen und jeder 7./8. Junge unter 18 Jahren Opfer eines Missbrauchs geworden, ein Drittel davon im Kindergarten- bis Grundschulalter (4 - 7 Jahre).

Die Täter und Täterinnen waren zu 75% männlich, zu 25% weiblich, 26,5% der Täter waren unter 18 Jahre alt. Der größere Teil der Täter, die Kinder sexuell missbrauchen, ist nicht pädophil, das missbrauchte Kind dient also als "Ersatzbefriedigung". Dabei ist die Pädophilie als eine sexuelle Präferenz zu verstehen, die ab der Pubertät bis zum jungen Erwachsenenalter festgelegt wird, und die nicht heil- oder veränderbar, sondern nur steuerbar ist. Ein pädophil veranlagter Mensch hat die Verantwortung, diese Präferenz nicht auszuleben. Besonders bedrückend ist die Tatsache, dass es sich bei sexuellem Missbrauch so gut wie nie um spontane Taten, sondern um Beziehungstaten handelt, die bewusst geplant werden. Denn der Täter/die Täterin weiß sehr wohl, dass es sich dabei um eine Straftat handelt. In die Vorbereitung der Taten (sexueller Missbrauch erstreckt sich meistens über einen längeren Zeitraum) wird auch das Beziehungsumfeld des Opfers einbezogen, um dort jeglichen Verdacht möglichst absurd erscheinen zu lassen. Der überwiegende Teil der Taten wird im engen Familienkreis, dann in der Nachbarschaft und in Einrichtungen verübt. Nur etwa 20% der Fälle gehen auf Fremde zurück, dies sind meist exhibitionistische Taten.

Gleich zu Beginn stellte Frau Haardt-Becker nüchtern fest, dass sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen weder ein besonderes Phänomen unserer Zeit ist noch irgendeine Bevölkerungsschicht oder Berufsgruppe davon ausgenommen wäre. Nachgefragt, wie sie die in den Medien flächendeckend verbreitete Verbindung zwischen Zölibat und den Missbrauchsfällen in der Kirche beurteile, war Frau Haardt-Beckers Antwort eindeutig: "Das ist Blödsinn." Sie lobte ausdrücklich das Engagement der Deutschen Bischofskonferenz in der Aufarbeitung gemeldeter Missbrauchsfälle, in einer neuen Konzentration auf den Opferschutz und auf Prävention. Dass wir als Kirche und als Ordensgemeinschaft keine herausgehobene "Risikogruppe" darstellen, darf uns keineswegs dazu veranlassen, uns jetzt - wo es ruhiger in den Medien geworden ist - entspannt zurückzulehnen. Ganz im Gegenteil: Der Focus, in dem wir augenblicklich stehen, ist eine Chance, dieses Thema proaktiv anzugehen und wach zu halten in unseren Gemeinschaften, Pfarreien und Institutionen und so für ein Klima zu sorgen, das potentiellen Tätern soviel Boden für ihre Taten wie möglich entzieht. Das fängt zuallererst damit an, Kinder und Jugendliche sensibel wahrzunehmen und hinzuhören, denn in vielen Fällen, in denen Kinder anderen von übergriffigem Verhalten berichteten, bedurfte es erst vieler Anläufe des Kindes, bevor sich jemand fand, der die Möglichkeit eines Missbrauchs ernsthaft in Betracht zog.

Link zum Verein Innocence in danger

Gesundheit an Leib und Seele

"Der erste Halt auf dem Weg zur Innerlichkeit ist der Körper!" - so der oft wiederholte Appell des Vortrags von Pallottiner-Pater Erik Riechers SAC. Auf sehr narrative Weise warb auch er für eine tiefe Einheit von Leib und Seele. Beide gehören zur Innerlichkeit des Menschen, denn der Körper ist es, der Bände über uns erzählt, auch wenn wir glauben, nichts zu sagen oder uns nichts anmerken zu lassen. Unser Körper ist eine Erzählung, ist eine Sprache, die wir kaum zum Verstummen bringen können. Anhand vieler Geschichten und Erlebnisse zeigte uns Pater Riechers lebhaft auf, dass es die Körpersprache eines Mitmenschen ist, der wir ganz selbstverständlich vertrauen, auch wenn uns dieser mit Worten etwas ganz anderes erzählt. Interessanterweise wenden wir diese offenbar große Sensibilität für die Körpersprache bei uns selbst nur sehr selten an oder reagieren auf Körpersignale vielfach erst, wenn es gar nicht mehr anders geht.

Dabei sind es gerade diese Signale, die uns anzeigen, wann wir unserer Innerlichkeit zu wenig Aufmerksamkeit schenken. Allzu leicht erklären wir unseren Körper zur reinen Äußerlichkeit, den man nur in die Werkstatt bringen muss, um ihn - wie durch einen Mechaniker - reparieren zu lassen. Der Weg zur Innerlichkeit führt immer über den Körper - in dieser Erkenntnis verschmelzen Leiblichkeit und Spiritualität zu einem untrennbaren Ganzen. Vielleicht sollten wir dieser durch und durch zuverlässigen Sprache unseres Körpers eine gebührendere Aufmerksamkeit widmen.

Leib-seelisches Wohlergehen



Diesem Leitgedanken hat sich die Kommunität unserer dominikanischen Mitschwestern verschrieben, als sie das große Projekt des Umbaus des ehemaligen Kneipp-Therapiezentrums ins heutige Gästehaus mit Vitalzentrum begann. Generalpriorin Schwester M. Scholastika Jurt OP erläuterte uns in ihrem Vortrag, warum sie den vielfach verwendeten Begriff des "Wellnesshotels" nicht gerne für das Arenberger Haus hört. Denn bei einem Aufenthalt dort geht es nicht in erster Linie um ein paar Tage, die mit Wohlfühlangeboten gefüllt werden - dazu wäre auch das Vitalzentrum nicht groß genug. Ganz bewusst wollen die Schwestern mit ihrem Projekt auch den klösterlichen Akzent setzen. Leib, Seele und Geist sollen zur Ruhe kommen können - der ganze Mensch ist Gast, mit allen Gebrechen und Gebrochenheiten, äußerlich wie innerlich. Es ist ein Haus mit viel Raum für Stille und Entspannung, für Begegnung mit Menschen und - wer dies möchte - mit Gott.

Link zum Kloster: www.kloster-arenberg.de

 

"Gemeinschaft - Ideal und Wirklichkeit"
04.-05.01.2011 Provinztag

Fast nahtlos schließt sich an die eine gute Tradition eine weitere an: der Provinztag der Brüder. 29 Dominikaner aus verschiedenen Bereichen unserer Provinz waren gekommen, um sich selbst unter die Lupe zu nehmen. Ideal und Wirklichkeit der eigenen Gemeinschaft, im Haus, im Konvent, in der Provinz, im Orden wurden einem durchaus kritischen Blick unterzogen.

"Mitbrüder kommen wegen der Gemeinschaft in unseren Orden und Mitbrüder gehen wegen der Gemeinschaft aus unserem Orden." Diese Gedanken unseres Provinzials führten uns mitten ins Thema. Wie wir Gemeinschaft gestalten und leben, ist ein Kernpunkt unserer Ordensexistenz, der nicht nur das Zusammenleben der konkreten Kommunität betrifft, sondern wesentlich die Ausstrahlung unserer Gemeinschaften nach außen berührt.

In Kleingruppen setzten wir uns zum einen mit den Grundlagen unseres Verständnisses von Gemeinschaft, also den Konstitutionen unseres Ordens, auseinander, zum anderen kamen Mitbrüder mit ihren persönlichen Gemeinschaftserfahrungen ganz konkret zu Wort. Ideal und Wirklichkeit, Theorie und Praxis treffen aufeinander und sind teilweise alles andere als deckungsgleich. Ein ausgeprägter Individualismus, der unsere Welt zu prägen scheint, macht auch an einer Klosterpforte nicht Halt. Auch in Klöstern "menschelt" es mitunter gewaltig. Gleichzeitig gibt es tiefe Solidarität untereinander. Wir leben ein Mehr-Generationen-Modell, das sich oft durch große gegenseitige Wertschätzung auszeichnet. Und schließlich ist es unser gemeinsames Arbeiten und Beten, das uns zusammenhält. All das sind Realitäten, die von jedem einzelnen Bruder unterschiedlich empfunden und wahrgenommen werden, die in unseren Gemeinschaften hier mehr, dort weniger ausgeprägt sind - und das in unserem Oden schon seit fast 800 Jahren.

Der Provinztag gab uns die Möglichkeit, gemeinsam einen Blick auf uns selbst zu wagen, eigene Positionen zu überdenken und andere kennenzulernen, miteinander ins Gespräch zu kommen, zu diskutieren, zu feiern, zu beten. Am Ende stand kein Lösungsrezept, wie nun die optimale dominikanische Gemeinschaft aussehen soll - das wird es wohl auch nie geben. Aber wir können viele Anregungen in unsere Gemeinschaften mitnehmen, um authentisch das zu leben, was uns als Auftrag gegeben ist: Die Verkündigung des Evangeliums zum Heil der Menschen.


fr. Johannes Matthias Schäffler OP